Folge 5: Wie politisch ist das Christentum

Letzte Folge haben wir eher untereinander etwas Zwist gehabt. Diese Folge sind wir uns ziemlich einig: heißt aber nicht, dass diese Folge weniger IN YA FACE ist. Denn wir haben einen wunderbaren Rant Gegner. Wir gehen der Grundsatzfrage nach, ob sich Christ*innen in der Welt und Staat engagieren sollen oder lieber nicht. Und unser Aufhänger dafür ist die AfD. Viel Spaß bei eurem Lieblingspöbelpodcast.

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Schimpfwörter in dieser Folge: traditionelles Familienbild, Affe, Genderideologie, Bumsknödel

Folge 4: Wahrheit

Diesmal geht es bei In Ya Face tatsächlich auch etwas In-Ya-Face-mäßig zu. Wir reden über vieles. Auch über Wahrheit und über die Frage, ob ein Absolutheitsanspruch immer zu Fundamentalismus und Radikalismus führt. Und wir stellen fest: Der protestantische Part des Podcastes sagt ziemlich häufig Absolutheitsanspruch. Skandal!

Diese Folge enthält ein Trinkspiel: Bei jedem Mal “Absolutheitsanspruch” kippt ihr einen Kurzen.

Schimpfwörter: Absolutheitsanspruch, Selbstoffenbarung, Scheiße, Konzilstext, Fundamentalismus, Evolutionstheorie

Satzteile, die namentlich genannt werden: Objektiv, Subjektiv

Was ist Glaube, Religion und Kirche?

Die Kirchen scheinen jedes Jahr für die Gesellschaft irrelevanter zu werden, die Kirchenaustritte steigen und die Gottesdienstbesucher*innen sterben nach und nach weg. Grund genug, sich die Frage zu stellen, ob es in dieser postmodernen Gesellschaft noch einen Glauben gibt (und was überhaupt “Glaube” ist), der trägt und uns existentiell berührt.

Der Begriff des Glaubens

Der Begriff Glaube ist ein schillernder Begriff. So wird er als Synonym für „Religion“ oder Kirchlichkeit benutzt, als Ausdruck eines tiefen Vertrauens in etwas oder als Antwort auf die Selbstmitteilung Gottes; er kann immanent sein oder über-sich-hinaus weisen. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht Glaube oft für den Ausdruck einer Unsicherheit. Der Duden führt als erste Bedeutung für Glaube „gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o.Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung“ an. Gleichzeitig steht Glaube im religiösen Bereich, folgt man den Ausführungen des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, sowohl für ein Bekenntnis, ein festes Eintreten und für-wahr-halten auf Grund innerer Überzeugung, als auch für den Ausdruck einer Beziehung, einem vertrauen-auf-jemanden.

Katholischerseits wird Glaube als die Antwort des Menschen auf die Selbstmitteilung Gottes definiert.

Der Begriff der Religion

Folgt man der formalen Religionsdefinition des protestantischen Theologen Paul Tillich (*1886 †1965), so ist Religion das, was den Menschen unbedingt angeht (“ultimate concern”). Tillich stellt fest, dass jeder Mensch etwas an die Stelle des Unbedingten stellt. Seien es weltliche Dinge wie der eigene Fußballverein, abstrakte wie Liebe, Glück oder Familie, aber eben auch das Transzendente (Gott). Dinge, die an die Stelle des Unbedingten gestellt sind, werden für den Menschen existentiell bedeutsam. Dazu hält Tillich zusätzlich fest, dass Endliches an Stelle des Unbedingten immer zur unendlichen existentiellen Enttäuschung führt.

Der protestantische Theologe Friedrich Schleiermacher (*1768 †1834) bezeichnet Religion als Sinn und Geschmack für das Unendliche und dem Gefühl nach der schlechthinniger Abhängigkeit. Diese inhaltliche Religionsdefinition zeigt auf, dass Religion ein Beziehungsgeschehen zwischen Transzendenz und Mensch ist.

Exkurs: Religionswissenschaftliche Erkenntnisse zur Religion

Aus der Perspektive der Religionswissenschaft (im Gegensatz zur Theologie rein deskriptiv) lässt sich sagen, dass der Begriff der Religion undefinierbar ist. Es gibt nicht die eine Religion und dadurch auch nicht die eine Definition von Religion. Viel mehr scheint es, dass die existierenden Religionen Anteil an der Religion haben. Bedarf es einer Definition von einer Religion, wäre es der Frage nach Grund, Inhalt und Anwendung.

Grund von Religion ist das Wissen über die eigene Vergänglichkeit und der Erfahrung einer mangelnden Gegenwart. Daraus folgt der Inhalt von Religion als Verheißung einer Gegenwart (z. B. das ewige Leben) und dem Konstrukt einer Unendlichkeit. Der Weg zur Unendlichkeit wird dabei nie selbst erdacht, sondern von ihr aufgezeigt. Ein Hauptanliegen der Religion ist das Herstellen einer Einheit durch den Prozess eines Ich- zur Wir-Beziehung.

Diese Grundsätze zeigen sich in unterschiedlicher Form und Ausprägung in der praktischen Anwendung der Religionen.

Religion, Kirche, Glaube, Leben

Religion konstituiert sich allgemein aus persönlichen Glauben und im speziellen aus gemeinschaftlichen Glaubensüberzeugungen heraus. Diese allgemeine Erkenntnis über das Verhältnis von Religion zu Glaube, ist im spezielleren auch auf Kirche und Glaube zutreffend. Glauben und Kirchlichkeit einer Person sind zwei verschiedene, unabhängig voneinander existierende Pole.

Um diese Pole in eine konstruktive Beziehung zu setzen, hat Paul Tillich die Methode der Korrelation entwickelt. Nach dieser Methode gilt es im ersten Schritt, die Pole als einzelne Positionen zu betrachten und nicht zu vermischen. So gibt es die Tradition der Kirche, die objektive Wahrheiten gesammelt und systematisiert hat und als solche einen großen Fundus an Antworten bereithält. Auf der anderen Seite steht die Erfahrung des Einzelnen, der mit seinem subjektiven Empfinden die Welt wahrnimmt und daraus Fragen entwickelt. Im zweiten Schritt geht es darum, die beiden Pole in eine Korrelation, also Beziehung zueinander zustellen in dem die Fragen des Einzelnen immer aus seiner Situation gestellt und die Antworten der Kirche immer in die Situation gegeben werden.

Die Methode der Korrelation wendet sich von einer reinen Weitergabe des Glaubensguts zu Gunsten einer Beziehungs- und Dialogebene ab. Die Methode der Korrelation nutzt der katholische Theologe Karl Rahner (*1904 †1984) für seinen transzendental-anthropologischen Ansatz, in dem er festhält, dass, weil Gott transzendent, also über und nicht in der Welt ist, und der Mensch immer sinnlich erkennt, die Gotteserfahrung Fundament für den Glauben und damit auch konstitutives Element für die Kirche ist.

Es lässt sich somit festhalten, dass Religion die Form ist, die mit Glaube, d.h. menschliche Erfahrung vom Transzendenten, als Inhalt gefüllt wird. Dabei führen gemeinsame Erkenntnisse zur Gemeinschaftsbildung, die wiederum “Lesehilfe” für weitere Erfahrungen anbietet.

Von Nicht-Glauben zu Glauben

Grundlage für den Glauben ist die Erfahrung von der Transzendenz für das eigene Leben. Eine Solche Erfahrung nennt der katholische Theologe Edward Schillebeeckx (*1914 †2009) eine Disclosure-Erfahrung. Schillebeeckx (Kein Scheiß; der wird so geschrieben) nennt 3 Kriterien, damit eine Erfahrung eine Disclosure-Erfahrung sein kann:

  1. Es muss eine Erfahrung sein, die von allen Menschen unvermeidlich geteilt werden kann.
  2. Diese Erfahrung muss zwar existentiell sein, aber nicht zwangsläufig eine religiöse Deutung vorgeben.
    (Beispiel: Überlebter Autounfall. Eine solche Erfahrung ist existentiell, aber kann als solche auch immanent gedeutet werden z. B. mit guter Sicherheitstechnik.)
  3. Für das Verständnis dieser Erfahrung muss die bisherige Erfahrung von der Offenbarung Gottes (Schillebeeckx fasst das unter »Wort Gottes« zusammen) von Nutzen sein.

Die Ausführungen von Schillebeeckx zu Disclosure-Erfahrungen machen deutlich, dass der Schritt hin zu einer Transzendenzerfahrung nicht instruiert werden kann. Einzig das Stimulieren von Transzendenzbewusstsein kann helfen, dass die Person eine Erfahrung als Disclosure-Erfahrung deutet.

… und warum klappt das nicht mehr so?

Die Ausgangsfrage, ob in der heutigen Gesellschaft der Glaube noch eine Chance hat, lässt sich nach den Ausführungen deutlich mit ja beantworten. Als anthropologisches Grundkonstrukt ist Glaube etwas, das jeder Mensch hat und mit sich trägt. Der Mensch scheint nicht seine Fähigkeit zur Religiosität verloren zu haben, sondern seine Beziehung zur Institution. Aus der Tatsache, dass zum Sender der Botschaft keine Beziehung besteht und die Botschaft selber unverständlich bleibt, folgt die zwangsläufige Irrelevanz für die konkrete Lebensführung.

Eine Möglichkeit wäre, die Methode der Korrelation ernst zu nehmen und den persönlichen Glauben, also die Erfahrungen der Menschen mit dem transzendenten und ihrer Umwelt, wahrzunehmen. Dafür bedarf es aber auch einer Kommunikationsstruktur, die es ermöglicht, die Glaubenswahrheiten der Kirche mit den Glaubenserfahrungen der Menschen ins Gespräch zu bringen, indem sie in einem Dialog beiden Positionen Raum gibt ohne zu be- und verurteilen.

Des Weiteren ist ein persönlicher Glaube Voraussetzung für ein persönliches Zeugnis. Denn eine Person kann nicht etwas bezeugen, was sie selbst nicht glaubt. Das Glaubenszeugnis der einzelnen Person bildet wiederum das konstituierende Fundament für Glaubensgemeinschaft und damit essentiell für den Fortbestand der Gemeinschaft.

Folge 3: Frauen in der katholischen Kirche

Unsere heutige Gast (Gästin mag Sie nicht, aber wir bleiben bei der weiblichen Form) ist Jacqueline Straub. Nach eigenen Aussagen ist Sie jung, katholisch, weiblich und sieht das als Ideale Voraussetzung dafür Priesterin zu werden. Ja, Priesterin. In der katholischen Kirche. Die mit Zölibat und Männerpriestertum. Genau die. Das dies kein so einfacher Weg ist, und es den einen oder anderen Stein im Weg gibt, davon handelt dieser Podcast. Aber auch von der Rolle der Frau allgemein in der katholischen Kirche.

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Schimpfwörter: Schweiz , Dietlein, ex cathedra, Kirchenrecht

Erkenntnisse:

  • Jacqueline hat noch einiges zu tun.
  • Fabian findet es interessant.
  • Tobias bräuchte mal nen Halsbonbon.

Folge 2: Postmodern Glauben

In der Postmoderne glauben die Menschen nicht mehr an Übernatürliches. Max Webers Diktum von der “Entzauberung der Welt” ist für viele selbstverständlich. Für uns nicht, wir halten es für Quatsch. Darüber reden wir. Außerdem fragen wir uns in diesem Zusammenhang, was Religion eigentlich ist und was Glaube. Ein Randthema der Theologie, das wir in 36 Minuten tiefgehend und erschöpfend abhandeln, wie es unser Anspruch ist. #nicht

 

Was nächste Sendung besser wird: Die Aufnahmequalität.
Schimpfwörter in dieser Folge: Scheiße, Säkularisierung, Schriftreligion, Anthropologische Grundkonstante.

Eine Produktion von Ruach.jetzt

 

Was ist Theologie?

Im Podcast kannst Du uns beim Denken zuhören. Das ist nicht immer einfach und ganz sicher immer chaotisch. Weil uns die angesprochenen Themen wichtig sind, fassen wir sie gerne für Dich nochmal in einem Blogartikel zusammen.

Theo-dings?

Das Wort Theologie setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort „theos“ (Gott) und „logos“ (Wort, Rede, Lehre). Die Theologie ist folglich das „Reden über/von Gott“. Damit ist auch der wesentliche Kern der Theologie beschrieben. Es geht im Wesentlichen um verschiedene Betrachtungsweisen auf den Themenkomplex „Gott/Transzendenz“. Dabei ist die Theologie eine Wissenschaft, was bedeutet, dass sie sich den gängigen wissenschaftlichen Ansprüchen stellt und sie einhält. Es geht nicht um gefühlte Wahrheiten (oder alternative Fakten), sondern um wissenschaftlich saubere (d.h. logisch, nachvollziehbare und konsistente) Erarbeitung von Themen.

Der Philosoph Karl Jaspers definiert Wissenschaft als methodische Erkenntnis, die sich zwar mit einzelnen Dingen beschäftigt (partikular), aber dessen Ergebnis stets universelle Bedeutung hat. Dabei bleiben die Ergebnisse auch stets hypothetisch im Sinne der Falsifizierbarkeit.
Auf einen Satz gebracht ist Theologie die wissenschaftliche Reflexion des eigenen Glaubens in der Tradition der jeweiligen Konfession.

Frömmigkeit …

Ein wichtiger Punkt, um Theologie in Relation mit Frömmigkeit zu setzen, ist die Tatsache, dass Theologie keine Wahrheit produziert und im Rahmen ihrer Wissenschaftlichkeit auch nur mit Hypothesen arbeitet. Theologie kann damit nie der Ersatz für eine gelebte Glaubenspraxis, also eine Frömmigkeit, sein. Während in der Frömmigkeit Glaubenssätze, unabhängig von ihrer rationalen Machbarkeit (ein klassisches Beispiel dafür sind die Wunder), für wahr gehalten werden können, ist es Aufgabe der Theologie, diese auch kritisch zu hinterfragen, um gegenüber anderen Wissenschaften Rechenschaft abzulegen.

Eine Theologie, die von sich behauptet, die Frömmigkeit des Einzelnen zu bestimmen, ist genauso fehlgeleitet und grenzüberschreitend, wie Wahrheitsansprüche der Frömmigkeit der Wissenschaft aufzudrängen.

… Religionswissenschaft …

Während also die Frömmigkeit das Glaubensleben bestimmt und die Reflexion von Transzendenzerfahrung und Transzendenzbeziehung ohne wissenschaftliche Methodik und damit ohne einen hypothetischen, sondern mit einem Wahrheitsanspruch, ist, handelt es sich bei der Religionswissenschaft um den entgegengesetzten Pol zur Theologie.

Religionswissenschaft ist eine neutrale, rein deskriptive Behandlung von religiösen Bewegungen. Die Frage nach Wahrheit wird nicht behandelt, sondern aus der Sicht des Religiösen beschrieben. So kann die Religionswissenschaft gleichzeitig sagen, dass „Für den Christen ist Jesus Christus der Sohn Gottes“ und „Der Islam sieht die Person Jesus von Nazareth als einen Propheten in der Reihe von vielen Propheten an dessen Ende der Prophet Mohammed steht“.

Die Religionswissenschaft bezieht keinen wertenden Standpunkt, sondern zeigt lediglich die sozio-kulturelle, historischen und logischen Strukturen auf.

… und die Theologie

Die Theologie bewegt sich zwischen den beiden Polen. Weder löst sie sich in Glaubenswahrheiten auf, noch gibt sie im wissenschaftlichen Diskurs um die Frage nach Wahrheit und Sinn nach. Darin zeigt sich auch die Hauptkompetenz der Theologie, die es, wie keine andere Wissenschaft, schafft, Spannungen auszuhalten und in ihrer Dynamik zueinander zu betrachten.

Beispiel: Jesus Christus als ganz Gott und ganz Mensch. Eine Dynamik, die sowohl eine völlig überzogene Demut und Anbetung gegenüber Jesus ermöglicht und ihn als Sohn Gottes über allen stellt, als auch eine persönliche Beziehung im Menschsein, im Gegenüber abbildet, in der er einen Scheiß auf fremde Meinungen gelegt hat und mit Huren und Zöllnern aß.

Ist jeder Theologe/jede Theologin gleich?

Die Theologie fächert sich (konfessionell in seinen Feinheiten nochmal etwas unterschiedlich) in drei Bereiche auf. Als Basis gibt es die Quellenforscher_innen, die historisch-, biblisch-und philosophische Theologie. Eine gewisse Mittelschicht bildet die „Systematische Theologie“. Diese umfasst zum Beispiel die „Moraltheologie“ oder die „Dogmatik“. Sinn und Zweck der Systematischen Theologie ist die Ordnung und Strukturierung von Erkenntnissen, um diese auch in Diskurs mit bisherigen Erkenntnissen zu setzen. Der dritte große Bereich der Theologie ist die „Praktische Theologie“. Hier geht es vor allem um das Verhältnis von Glaubens- und Lebenspraxis in Bezug auf theologischer Erkenntnis. Zum Beispiel um die Reflexion von Gemeindemodellen, der Katechese, der Seelsorge oder der Konzeption eines Religionsunterrichtes.

Folge 1: Wer sind wir?

Wenn man Theologe googelt oder sich über die Theologie informieren möchte, findet sich allerlei Mist. Daran ändern wir mit dem Start dieses Podcastes auch nichts – keine Pointe.

Wir, das sind Tobias Sauer (kath. Theologe, http://tobi.leichtdio.de) und Fabian Maysenhölder (ev. Theologe, http://theopop.de).

Ab jetzt alle 2 Wochen samstags.

Was nächste Sendung besser wird: Die Aufnahmequalität
Schimpfwörter in dieser Folge: Bibelschule, Kacke, kath.net, Scheiße

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Eine Produktion von Ruach.jetzt

http://inyaface.ruach.jetzt