Folge 6: Missionieren

Mission. Das, was dahinter steht, ist genauso notwendig wie schwierig. Um den rechten Umgang mit Mission zu finden, braucht es viel Fingerspitzengefühl und einfühlsames Handeln. Damit spricht eigentlich alles dagegen, dass wir uns dem Thema annehmen. Haben wir aber trotzdem. gemacht Deswegen reden wir in dieser Folge über Mission – und was das ganze mit dem iPhone zu tun hat.

Schimpfwörter in dieser Folge: Jungscharführer

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Veröffentlicht von Tobias Sauer

kath. Theologe, ScienceSlammer, Blogger und Initiator von DreifachGlauben.de sowie Ruach.jetzt. Auf der Suche nach einer Kirche von morgen mit dem Glauben der Menschen von heute.

4 Antworten auf “Folge 6: Missionieren”

  1. Cool, dass ihr dieses Thema genommen habt. Ist eins, worüber ich mir auch so Gedanken mache. Bin freikirchlich geprägt, also kannte ich die meisten Thesen schon, also auch dieses “Ja, eigentlich sollten wir unser Leben sprechen lassen und wenn DANN jemand fragt, dann erzählen wir und die Verantwortung liegt dann bei Gott.”
    Die Frage ist dann nur: Fragen die Leute denn? Was fragen die Leute dann und wann? Und wie sollen wir leben, damit die Leute fragen? Was genau bringt die Leute zum Fragen? Und warum fragen sie? Weil wir irgendwie strange sind? Oder weil wir uns so aufopfern? Oder warum? Und was ist dann unser Ziel? Ich meine, ich spiel das Ganze mal in Gedanken durch: Ich arbeite ehrenamtlich in einem offenen Jugendcafe der Kirche mit, Jugendliche fragen mich ganz direkt, was ich denn hier so verdiene und ich sage, dass ich nichts verdiene und es in meiner Freizeit mache, weil sie, die Jugendlichen von Gott geliebt sind. Dann könnten sie natürlich so gerührt sein, dass sie sagen: Den Gott will ich kennen lernen. Im zweiten Schritt denken sie aber: Oh, dann muss ich auch in meiner eh schon knappen Freizeit noch arbeiten, ohne was dafür zu bekommen und darf wahrscheinlich nicht mehr zocken. Also lieber doch nicht. Hm… .
    Und irgendwie noch viel grundlegender: Warum sollen wir überhaupt missionieren? Nicht wegen irgendwelchen Mitgliederzahlen, ist schon klar. (Jedenfalls würde es keiner zugeben.) Damit die Leute nicht in die Hölle kommen? Wenn es DAS wäre, dann müssten wir doch alle Geschütze auffahren, die wir haben, denn etwas so horrormäßiges müsste unbedingt verhindert werden. Dann könnte man nämlich auch die Inquisition verteidigen, weil sie nur Schlimmeres verhindern wollte. (Ich bin nicht dieser Meinung, ich stelle nur Fragen, die mir kommen. Rein hypothetisch.) Oder weil das Leben mit Gott so toll ist? Wäre es denn so toll für alle? Was ist dann mit denen, die mit ihrem Leben glücklich sind? Und was ist mit denen, die am Glauben krank werden? Was ist mit denen, für die ein Glaube wie unserer Gift ist, die religiöse Süchte entwickeln, die sich (unbewusst) Systeme suchen, die sie geistlich missbrauchen (nicht unbedingt sexuell) und die vielleicht auch andere missbrauchen? Versteht mich bitte nicht falsch, ich liebe mein Leben als Christ und ich wollte Gott um nichts in der Welt verlieren. Aber ich kenne auch andere, ich habe Freunde, die teilweise geistlich so fertig gemacht wurden, dass sie versucht haben, sich umzubringen oder angefangen haben, sich zu ritzen. Naja, vielleicht kann man ein so komplexes Thema nicht in einer halben Stunde abarbeiten. Ist auch wirklich nicht böse gemeint, sind nur ein paar (kritische) Gedanken dazu. Kritik als kostenlose Beratung 😀

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    1. Hey Bithya,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar und schön, dass du dich mit unseren Gedanken so intensiv auseinandersetzt. Wenn ich dich richtig verstehe hast du vor allem 2 Fragen:
      1) Wie kommt es, dass die Leute nachfragen? Und da höre ich auch raus: Was kann ich dafür tun, dass Mission erfolgreich ist.
      2) Wieso überhaupt Mission.
      Hier mal meine Gedanken dazu. Vielleicht helfen Sie dir ein bisschen weiter, sonst frag gerne nochmal nach.
      Ich fange mal mit der grundlegendere Frage an:
      Grundsätzlich ist Ausgangspunkt für die Mission und dem missionarischen Wirken der Kirche der Missionsbefehl Jesu in Matthäus 28,19-20. Das ist jetzt eine reine Form, aber zumindest geht das missionarische Wirken der christlichen Kirchen auf ein Jesuswort zurück. Ich bin fest davon überzeugt, dass wenn ich etwas Gutes in meinem Leben habe und entdeckt habe, es auch sinnvoll ist es zu teilen. Aber, und da gebe ich dir auch vollkommen Recht, nicht jeden trägt die Hoffnung von Anfang an, dass Gott sie liebt und es wäre grob übergriffig.
      Ich glaube das entscheidende ist, auch für die Beantwortung der ersten Frage, das Mindset, das ich auch mit dem Begriff der „Evangelisation“ und in der Folge „Postmodern Glauben“ versucht habe zu beschreiben. Mission/Evangelisation ist ein qualitativer Transformationsprozess. Es geht nicht darum „den Anderen“ zu überzeugen, sondern um durch das eigene Handeln, als Zeugnis, aktiv den christlichen Auftrag zu erfüllen.
      Als Mensch kann ich nicht alles leisten (und du auch nicht). Die Frage, ob der Andere Gott erkennt, also eine Transzendenzerfahrung macht oder nicht, liegt außerhalb meiner Fähigkeiten. Was ich aber schaffen kann ist authentisch nach meiner Überzeugung handeln.
      Hilft dir das oder habe ich gut theologisch um den heißen Brei geredet? 😉

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      1. Danke für deine Antwort 🙂 Und ich hoffe, es stört nicht, dass ich manchmal etwas provokant werde: Wenn ich dich richtig verstehe, dann ist der Grund für’s Missionieren in deinen Augen nicht mehr und nicht weniger als ein Jesus-Wort, das wir aus der Bibel kennen. Hm. Weil es da steht, wird es gemacht? Weiß man beispielsweise mit Sicherheit, dass es Jesus tatsächlich gesagt hat? Ich frage deshalb, weil man sehr vieles aus der Bibel einfach auf heute übertragen könnte… aber da habt ihr ja schon selbst gesagt, dass das so nicht geht, siehe euer Interview über Frauen als Priesterinnen. Ist das wirklich der einzige Grund? Scheint mir dann etwas dünn zu sein. Das Argument, dass man etwas Gutes weiter geben will verstehe ich und teile ich. Nur würde ich es dann nicht missionieren nennen, denn das würde beinhalten, dass ich das Ziel habe, das Leben und die Einstellungen und das Selbstbild eines anderen zu verändern, auf eine Art, wie ich selbst denke, wie es richtig ist. Und das wäre ja im besten Fall manipulativ. Etwas, was ich nicht wollte.
        Weil du, wie ich dich verstanden habe, fragst, ob ich mich frage, wie ich es am besten machen kann und ob ich mich nicht zu sehr unter Druck setze: Ganz und gar nicht. Ich rede auch über meinen Glauben, wenn es in die Situation passt. Beispielsweise hab ich ein Wandtattoo mit einem Bibelvers im Wohnzimmer, das hat neulich eine Nachbarin gesehen und mich danach gefragt, was das ist. Wollte damit nichts erreichen, wenn Gott sie dadurch berührt, freu ich mich für sie. Aber das würde ich dann nicht Mission nennen. Oder ich sitze beim Arzt im Wartezimmer, lese einen Artikel über fundamentalistische Bibelschulen in einer Illustrierten, das sieht meine Sitznachbarin, eine ältere Dame, und fängt an, aus ihrem Leben und von ihren Enttäuschungen mit der Kirche zu erzählen. Wie gesagt, ich tu nichts, möchte das auch gar nicht. Wenn’s passt, dann passt es und wenn nicht, auch gut.
        Und die christliche Transformation der Gesellschaft? Klingt für mich auch leicht gruselig. Erinnert mich an eine schleichende Unterwanderung, Nimm’s mir nicht übel, aber so, wie Scientology den clear planet will. Ich bin froh über die Trennung von Staat und Kirche und möchte wirklich hier keine Theokratie. Weil so weit ich informiert bin, waren und sind Theokratien niemals Demokratien. Oder wie hast du das gemeint? Hab ich dich da falsch verstanden?
        Liebe Grüße!

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        1. Hey. Sorry, dass das Antworten immer so lange dauert. Schön, dass du so interessiert nachfragst. Nein der _einzige_ Grund für Missionierung ist nicht ein Jesus Wort. Aber es gibt zumindest eine Sicherheit, dass die Mission an sich in frühchristlicher, jesuanischer Tradition steht. Jesus selbst war, und das glaube ich ist nur schwer anzuzweifeln, Missionar. (#menschenfischer) Was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass neben den vielem Klimbim, den es sonst so in der Kirche gibt, wir bei Mission (theologisch) relativ sicher sein können, dass es im Einklang mit dem Wille Jesu ist.

          Generell halte ich es aber da mit Fabian, der im Podcast sagte “Wenn ich was Gutes kenne, dann will ich es auch weitertragen” Das geht mir persönlich nicht nur bei dem Glaube so, sondern auch bei technischen Gadgets, Rezepten, Restaurant, etc. Was aber da immer wichtig und entscheidend ist, das Maß und den rechten Tipp zur rechten Zeit. Keine will einen Tipp fürs neue Notebook, wenn er sich gerade erst eins gekauft hat 😉

          Und jetzt zur “Transformation der Gesellschaft”. Ein Klassiker aus der Reihe “theologische Begriffe, die in der Alltagssprache schwer verdaulich sind” 😉 Ich möchte mich nicht verstecken: Ja. Ich finde, dass das Ziel von Evangelisierung die Transformation der Gesellschaft ist. Aber ich weiß auch, dass diese nur durch lange gesellschaftliche, politische und soziale Auseinandersetzung sich vollzieht, die ganz klar bei meinem eigenen Handeln anfange. Bestes Beispiel wäre da das Konzept des “kritischen Konsums” oder die Fair-Trade Bewegung (Beide haben ihren Ursprung in christlichen Kirchen). Das sind klare gesellschafttransformierende Bewegungen mit explizit christlicher Motivation.

          Was unterscheidet das jetzt von Sekten? Formal nicht viel. Ich fände es auch in Ordnung, wenn eine andere Gruppierung eine Transformation der Gesellschaft anstrebt. (Beispielsweise sei hier die Transition-Bewegung positiv genannt). Das entscheidende ist ja nicht das Label “Kirche” oder “Sekte” für “gut” und “böse”, sondern das inhaltliche Wirken. Und da zeigt sich eben auch der qualitative Unterschied. Sekten wollen keine Transformation der Gesellschaft, sondern ein aufgehen der Gesellschaft in ihr eigenes System. Hier geht es nicht um Mitgestaltung nach eigenen Maßstäben, sondern um Dekonstruktion eines “alten Systems” zu Gunsten eines “neuen Systems”. Das ist meiner Meinung nach zu verachten. ((Exkurs: Und diese Tendenz findet sich auch bei, v.a. paulinisch geprägten Freikirchen #exklusivismus oder auch bis zum II. Vatk. Konzil als “extra ecclesia nulla sallus”-Formel in der katholischen Kirche.))

          Es geht bei der gesellschaftlichen Transformation nicht um eine Auflösung von Staat und Kirche (die verbietet z.B. das II. Vat auch), sondern um eine qualitative Mitgestaltung der Welt zugunsten einer für alle besseren Welt.

          Liebe Grüße, Tobias

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