#4 Fabian: Was ein Horst

Er hat es gesagt. Im ersten Interview nach seinem Amtsantritt hat der neue Heimatminister Horst Seehofer diesen unsäglichen Satz wieder in die öffentliche Debatte gebracht und gesagt: “Der Islam gehört nicht zu Deutschland.”

Ich kann es nicht mehr hören, diese Äußerung ist so nutzlos und in keiner Weise zielführend, wie übrigens auch die Äußerung “Der Islam gehört zu Deutschland”. Das zeigt schon die Reaktion auf diesen Satz: Ein Ping-Pong Spiel öffentlicher Äußerungen, die einen kreischen: “Doch, doch!” Und die anderen: “Recht hat er!” Viel Applaus bekommt Seehofer natürlich von den Populisten. Das ist auch nicht verwunderlich, denn nichts anderes ist diese Äußerung: Purer Populismus. Vor rund zwei Jahren habe ich selbst mal zu dem Thema gebloggt und mich an dieser Diskussion beteiligt. Das würde ich nicht wieder tun.

Denn: Der Satz ist – in welche Richtung auch immer – so sinnlos, als würde ich behaupten: “Der Horst gehört nicht zu Deutschland.” Von welchem Horst reden wir denn? Und was bedeutet: “gehört”? Und was ist eigentlich “Deutschland”? Das genau zeichnet Populismus aus: Phrasendreschen mit lauten Begriffen, die jeder so füllen kann, wie es ihm selbst in den Kram passt. Nur, damit er am Ende schreien kann: Da stimme ich voll zu! Seehofers Kalkül ging übrigens auf: 76 Prozent der Deutschen stimmen ihm einer aktuellen Umfrage zufolge zu.

Ich will diesen Satz einfach nicht mehr hören. Von niemandem, in keine Richtung. Es gibt Formen des Islams, die mit einem Deutschland, das ich mir vorstelle, deutlich kompatibler sind als die Religion mancher sektiererischen Gruppen, die sich Christen nennen. Es gibt Formen des Christentums, die in Deutschland keinerlei Tradition haben und weder unsere Kultur noch unsere Geschichte prägen.

Statt unsere Energie in sinnentleerte populistische Debatten darüber zu verschwenden, ob der Islam oder irgendeine andere Religion nun zu Deutschland gehört oder nicht, sollten wir uns lieber darum kümmern, dass alle Menschen in unserem Land in Frieden, Freiheit und gegenseitigem Respekt miteinander leben können.

#3 Tobias: Du fastest? Ich breche!

“Dieses Jahr faste ich auf …” Ist mir so was von egal! Rede nicht weiter. Bitte. Es ist mir egal. Ganz egal. Du kannst auf alles fasten. Zum Beispiel auch darauf es mir zu erzählen: Es interessiert mich einfach nicht.
Dabei könnte es so interessant sein, denn der alljährliche Wahnsinn um das Fasten ist definitiv einer der letzten kirchlichen Traditionen, die noch Platz im Leben der Menschen hat. Mehr noch: die zum Lifestyle erhoben wird. Einmal im Jahr verzichte ich mal auf etwas, von dem ich den Rest des Jahres zu viel habe. Eigentlich könnte es interessant sein!
Wenn da nicht die Motivationslage so total verquer ist. Fasten als Lifestyle nicht mehr den Verzicht auf etwas, was mich schwer und träge macht. Was mich von meinem Christ sein abhält. Dem Loszusagen, was meine Aufmerksamkeit bindet und mich beruhigt, damit ich ja keine richtigen Herausforderungen in meinem Leben angehe.
Auf solche Sachen fasten ist kein Verzicht, sondern Zurückerobern meiner Freiheit.
Doch Fasten als Lifestyle ist eben nur Lifestyle. Für mich absolut in Ordnung, aber eben auch absolut uninteressant.
Und gerade aus diesem Grund nervt mich dieses ständige Gejammer der Fastenden, wie schwer (aber trotzdem respektabel und Anerkennungswert) ihr Fasten auf Schokolade doch ist. Da das so schwierig ist, wird es jedem erzählt “Nein danke. Ich faste.”, “also ich faste ja gerade Kaffee”, “ne ich faste dieses Jahr Süßkram” … weißt du, was Du, lieber Fastende, genau in diesem Moment machst? Fastenbrechen! Du fastest auf etwas, weil es dich in Deinem Leben hemmt, schön! Gut für dich! Aber hol Dir von mir keine Ersatzbefriedigung, keine Anerkennung oder kein Lob. Mäste mich nicht mit Deinen Vorsätzen, solange bis Du von dieser Ersatzbefriedigung satt bist.
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.” (Mt 6,16)

#2 Fabian: Liebe für alle!

In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gibt es einen Aufstand. Einen Aufstand gegen eine Entscheidung, die die Synode Ende vergangenen Jahres getroffen hat: Statt endlich als eine der letzten Landeskirchen die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen, wurde ein entsprechender Entwurf  zur Öffnung abgelehnt.  Der Beschluss hat eine Schockwelle durch die Landeskirche geschickt und viele verzweifelt und wütend zurückgelassen – mich eingeschlossen.
80 Prozent der württembergischen Dekane fordern inzwischen öffentlich – nach dem Synodenbeschluss! -, eine Amtshandlung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare einzuführen. Und mehr als 120 Pfarrer haben öffentlich gegenüber dem Bischof erklärt*, dass sie zum Rechtsbruch bereit sind und ein gleichgeschlechtliches Paar trauen würden, wenn eine entsprechende Anfrage käme.
Bi sher bleibt alles beim alten, weil eine kleine, aber sehr aktive Gruppe Konservativer in unserer Landeskirche meint, sie müsse anderen ihre Vorstellung vom rechten Christsein aufzwingen und nicht akzeptieren kann, dass es auch andere Arten und Weisen  gibt, den christlichen Glauben zu leben und zu verstehen.
Ich glaube folgendes: Wir müssen und werden es nicht schaffen, in dieser Frage auf einen Nenner zu kommen. Ich gebe zu, dass es mir schwer fällt, mit Blick auf die Segnung gleichgeschlechtliche Paare hier tolerant zu sein: Ich halte es für ein fatales und sehr verqueres Bibelverständnis, aus der Heiligen Schrift herauslesen zu wollen, dass liebevoll und von Treue und Respekt getragene Partnerschaften nicht von Gott gesegnet werden, und zwar unabhängig vom Geschlecht. Ich halte das in letzter Konsequenz für eine Haltung, die zutiefst unchristlich ist.
Aber, und das ist der Punkt: Ich kann für diese Meinung einstehen, dafür argumentieren, auch hart in der Sache. Aber ich muss letztlich akzeptieren, dass es in meiner Kirche Menschen gibt und geben wird, die das anders sehen. Ich kann niemanden zwingen, sondern nur dafür einstehen, dass es anders wird.
Meine erste Wut über den Beschluss ist inzwischen gewichen. Denn: Nie zuvor wurde so intensiv in unserer Landeskirche über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare diskutiert wir jetzt – nach dem Synodalbeschluss. Es mag noch ein wenig dauern. Aber ich habe die begründete Hoffnung, dass sich viel tut. Und am Ende des Weges eine bessere Lösung dabei herauskommt als der schlechte Kompromiss, den die Synode Ende letzten Jahres knapp abgelehnt hat.

#1 Tobias: Yeah Jesus <3

“MissionManifest”, so heißt das Buch dessen 10 Thesen im Anschluss an die Mehr2018, der Veranstaltung an der Katholiken sich mal so richtig schön in Evangelikaler Frömmigkeit suhlen können, vorgestellt worden ist. Thesen sind erstmal nichts anderes als Behauptungen und ein Manifest nichts anderes als Proklamation einer eigenen politischen Position. Grund genug an dieser Stelle mal zwei Anti-Thesen aufzustellen. Wer weiß. Vielleicht hatte Hegel ja Recht und es ergibt sich eine Symbiose.

1. Anti-These: Mission schätzt die Person nicht

Die katholische Kirche kennt zwei Begriffe für den Prozess der Bekehrung. Die Mission und die Evangelisierung. Unter der Mission wird eine Erstverkündigung der Offenbarung in Form einer Unterweisung verstanden. (Vgl. AG 6) Bekehr’ dich oder leide an deinen Sünden.
Die Evangelisierung, sowie von Paul VI in Evangelii Nuntiandi ursprünglich beschrieben, ist ein dialogischer Prozess der vom überzeugten Christen durch Tat und (erst auf nachfrage) Wort ausgeht. (Vgl. EN 22ff) Die Initiatoren kastrieren die Bekehrung auf ein institutionell-christologisch enggeführtes Überzeugen, statt einem im persönlichen-handeln sichtbaren Bezeugen Gottes.
Oberstes Prinzip und erste These ist nicht der praktizierter Glaube in Vertrauen auf Jesus, sondern ein bekehren hin zu den im Katechismus tradierten Glaubenswahrheiten (Vgl. These 7).
Nicht das Bedürfnis des Suchenden nach Gott ist dabei ausschlaggebend für die Mission, sondern das eigene Verständnis missionieren zu müssen. (Vgl. These 4)

2. Anti-These: Glaube wird auf Wahrheiten verkürzt

Glaube ist in “MissionManifest” verkürzt auf Wahrheit. Ja. Glaube ist das überzeugt sein von der Wahrheit, die uns Gott offenbart hat. Das Hören auf seine Selbstmitteilung und das Nachfolgen seiner Rufe, aber Glaube ist eben auch das Antworten. Das Subjektive, dass was die Offenbarungen Gottes überhaupt erst sichtbar macht.
Durch das was wir von Gott in der Welt schon erfahren. (vgl. Rahner, Hörer des Wortes, 151 oder LF 8)
Glaube unverändert weitergeben. Hast Du schon Mal etwas unverändert weitergegeben?
Ja? Dann hast Du es sicher in der Zwischenzeit nicht genutzt.

Die letzte Folge?

Im April sind wir an den Start gegangen. Als kleiner Sandkasten. Und jetzt ist es Zeit den Sandkasten nochmal ordentlich umzugraben. Wir verändern IN YA FACE. Wie? Das hört ihr in unserer letzten Folge nach dem alten Muster. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns auch weiterhin begleitet und abonniert lasst!

Folge 8: Teufel

So der 31. Oktober ist geschafft und was läge da näher als mal über den Teufel zu reden. (Fabian zwingt mich dazu, zu erwähnen, dass ich auf Halloween anspiele.) Wer ist dieser Teufel? Gibt es ihn? Braucht man ihn? Ist es ein zweiter Gott? Anbetungswürdig? All dem gehen wir, dieses mal leider mit teuflisch schlechter Soundqualität, nach.

Shownotes:

 

Folge 7: Reformation

Reformation. Vor 500 Jahre schlug Luther, in guter deutscher Beschwerdekultur, 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg. Zack, feddisch: Zwei Kirchen. Jetzt haben wir den Salat. In dieser Folge von IYF geht es um die Reformation (genauso historisch ausführlich wie in dieser Beschreibung) und vor allem darum wie wir zusammen glauben können.

Theologischer Vorschlag: Abendbrotgemeinschaft

Hier gibt es mehr über den Rahner-Fries-Plan

Was ihr in Prüfungen sagten könntet, um zu bestehen: “Um das 19. Jhd”, “Hier stehe ich und kann nichts anders”

Schimpfwörter in dieser Folge: Knuddelbär

Beschwerde E-Mail: fickteuch@ruach.jetzt (führt ins nichts)

Folge 6: Missionieren

Mission. Das, was dahinter steht, ist genauso notwendig wie schwierig. Um den rechten Umgang mit Mission zu finden, braucht es viel Fingerspitzengefühl und einfühlsames Handeln. Damit spricht eigentlich alles dagegen, dass wir uns dem Thema annehmen. Haben wir aber trotzdem. gemacht Deswegen reden wir in dieser Folge über Mission – und was das ganze mit dem iPhone zu tun hat.

Schimpfwörter in dieser Folge: Jungscharführer

IYF macht Sommerpause

Wir machen Sommerpause! Eigentlich wollten wir heute wieder eine neue Folge liefern. Doch das hat nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben. In dieser Folge hätten wir auch eine Pause angekündigt, die wir nun vorziehen müssen: Urlaubszeiten, Umzug und ein Jobwechsel führen dazu, dass wir voraussichtlich erst wieder im September zusammen an die Mikros kommen.

Ihr müsst jetzt aber nicht weinen. Denn erstens werden wir uns in der Sommerpause kreative Gedanken über neue Schimpfwörter machen, die wir euch dann um die Ohren hauen können. Und: In der Pausenzeit werden hier auf dem Blog einige zusammenfassende Artikel zu unseren bisherigen Folgen erscheinen, die noch überfällig sind.

Bis dahin: Genießt den Sommer!

Tobias & Fabian

Folge 5: Wie politisch ist das Christentum

Letzte Folge haben wir eher untereinander etwas Zwist gehabt. Diese Folge sind wir uns ziemlich einig: heißt aber nicht, dass diese Folge weniger IN YA FACE ist. Denn wir haben einen wunderbaren Rant Gegner. Wir gehen der Grundsatzfrage nach, ob sich Christ*innen in der Welt und Staat engagieren sollen oder lieber nicht. Und unser Aufhänger dafür ist die AfD. Viel Spaß bei eurem Lieblingspöbelpodcast.

Links:

 

Schimpfwörter in dieser Folge: traditionelles Familienbild, Affe, Genderideologie, Bumsknödel